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Gründer

Stin-Niels Musche

Ausgebildet in der Elman-Linie. Ausbilder seit 2013. Der Mann, dem Ines Simpson ihr Lebenswerk anvertraut hat. Und an guten Tagen der hartnäckigste Skeptiker im Raum, wenn es darum geht, was Hypnose kann und was nicht.

2009

Er hat das Falsche mitgeschrieben

Stin-Niels Musche

Ende 2009, ein Seminarraum mit knapp hundert Leuten. Stin schaut nicht aufs Flipchart. Er schaut auf einen Mann zwei Meter neben sich.

Auf dem Stuhl vor diesem Mann sitzt eine Frau in Hypnose. Stin notiert jedes Wort, jede Berührung, jede Reihenfolge. Am dritten Tag schaut er auf seine Blätter und denkt: Moment. Der macht jedes Mal exakt dasselbe.

Hundert Leute im Raum. Keiner sieht es, weil ihr Blick nicht am Therapeuten klebt, sondern am Menschen auf dem Stuhl. Hypnose war damals nicht sein Feld. Er hat Kommunikation trainiert: Verkaufsgespräche, Personalgespräche, Rhetorik. Und er hatte ein Problem, das er nicht lösen konnte. Die Leute kamen in die Seminare, haben geübt, haben geglänzt, sind nach Hause gefahren und haben nichts davon angewendet.

Was er in dieser Woche gesehen hat, war ein dreißig Jahre altes Muster, das sich an einem Nachmittag bewegt. Was er aufgeschrieben hat, war: Das ist ein reproduzierbarer Prozess.

Der Teil, den er lieber weglassen würde

Er hat Regressionen gemacht, bevor er eine Ausbildung hatte

Ende 2009, nur mit diesen Mitschriften. Es hat funktioniert. Er sagt selbst, dass das keine Empfehlung ist. Er hatte einen guten Beobachtungsposten und er hatte Glück, und er hätte dir damals nicht sagen können, was er tut, wenn etwas aus dem Ruder läuft.

Seine erste richtige Hypnoseausbildung hat er Ende 2011 in Deutschland gemacht. Da arbeitete er längst mit Menschen. 2012 kam die Ausbildung bei Gerald „Jerry" Kein in den USA, und von dort stammt das Handwerk.

Wenn du dich später fragst, warum in dieser Schule so viel Wert auf sauberes Handwerk gelegt wird, auf Abbruchkriterien, auf die Frage, was du tust, wenn es nicht nach Plan läuft: Das ist der Grund. Er hatte diese Lücke selbst.

2013

Der Abend, an dem er an der Einrichtung erkannt hat, in welcher Stadt er ist

Eine Hotellobby, irgendwo in Deutschland. Das war der Punkt.

Er hat die Kommunikationstrainings an den Nagel gehängt und Hypnose gemacht. Ende des Jahres ist er noch einmal für ein Seminar eingesprungen, und dort hat ihn Hans-Peter Ricklin gefragt, ob er sich vorstellen könne, selbst Hypnoseausbildungen zu geben. Er hat an der richtigen Stelle nicht nein gesagt.

Im Frühjahr 2014 saß er eine Woche in den USA in der Trainerausbildung bei Jerry Kein. Im Mai 2014 stand er zum ersten Mal vor einer eigenen Hypnoseausbildung. Später kam ein Train-the-Trainer bei Dr. Richard Nongard und dem ICBCH dazu.

2017, Boston

Er hat die Auseinandersetzung deutlich verloren. Dann hat er seine eigene Schule gebaut.

Zwischen 2014 und 2017 hat er regelmäßig Ärger bekommen, immer aus demselben Grund: Seine Teilnehmer haben in der Ausbildung Regression geübt.

Der Satz dazu klang jedes Mal ähnlich: Du kannst die das nicht üben lassen.

Bei einem großen Trainertreffen in Boston 2017 hat er versucht, die anderen Ausbilder zu überzeugen. Sein Argument war schlicht: Wer eine Methode nie geübt hat, wird sie draußen nicht anwenden. Er wird sie umgehen, und der Klient bekommt am Ende Suggestionen auf ein Problem, dessen Ursache sich nie jemand angeschaut hat.

Er hat verloren. Deutlich. Anfang 2018 war die Zusammenarbeit beendet, weil er in diesem starren Gerüst nicht ausbilden konnte, wie er es für richtig hält. Die Hypno School gab es seit 2017. Diese Auseinandersetzung ist ein großer Teil der Antwort auf die Frage, warum.

Warum die Ausbildung so gebaut ist

Sieben Jahre zwischen Lernen und Anwenden

2013 hat er in einer Ausbildung die Teiletherapie gelernt. Rate, wann er sie das erste Mal in der eigenen Praxis eingesetzt hat.

Sommer 2020. Sieben Jahre lag dieses Werkzeug im Kasten, und dann saß der Mensch vor ihm, für den es gemacht ist.

Wäre seine Ausbildung ein Wochenende mit einem Ordner gewesen, hätte er in diesem Moment nichts gehabt außer einer vagen Erinnerung. So konnte er nachschauen, es noch einmal lernen und vorbereitet in die Sitzung gehen.

Genau deshalb ist diese Schule hybrid gebaut. Theorie im Video, jederzeit, so oft du willst. Praxis gemeinsam und live, weil ein Satz auf Papier etwas anderes ist als ein Satz, den du jemanden sagen hörst, mit Betonung, mit Pause, mit dem Blick auf den Klienten.

Seit diesen Blättern von 2009

Was seitdem passiert ist

3.500+

Sitzungen mit Klienten

450+

ausgebildete Hypnotiseure

2013

Ausbilder seit

21.400+

Abonnenten auf YouTube

Und er sieht weiterhin Klienten. Er ist Heilpraktiker für Psychotherapie und hat seine Praxis, und das ist keine Nostalgie. Das Regressionsskript, das in der Ausbildung gelehrt wird, stammt im Kern aus diesen Mitschriften von 2009. Es sieht heute anders aus: Dinge weggelassen, anders formuliert, manches funktioniert besser als das Original. Das merkst du aber nur, wenn du selbst noch am Menschen arbeitest.

Man kann anderen nur gut beibringen, was man selbst noch lebt.

Die Nachfolge

Zwölf Jahre an der Seite der Frau, die das Simpson Protocol entwickelt hat

Stin arbeitet seit 2013 mit Ines Simpson. Er hat ihre Methode nicht aus einem Handbuch gelernt, sondern über mehr als ein Jahrzehnt an ihrer Seite, und war weltweit der erste Ausbilder neben ihr, der sie unterrichten durfte. Heute ist er ihr offizieller Nachfolger, hält die weltweiten Rechte am Simpson Protocol und ist Inhaber der Markenrechte.

Ich habe in all den Jahren niemanden getroffen, der das Simpson Protocol so tief versteht wie Stin. Er hat nicht nur die Technik gemeistert, er hat verstanden, worum es im Kern geht: Menschen die Führung über sich selbst zurückzugeben. Wenn ich mein Lebenswerk in eine Hand lege, dann in seine. Ines Simpson, Entwicklerin des Simpson Protocol
Wie er unterrichtet

„Ich bin dein Bergführer. Gehen musst du selbst."

Keine Ausbildung macht dich sicher. Kein Zertifikat, kein Ordner. Übung.

Was er stattdessen verspricht: Du darfst alles fragen. Wirklich alles. Es gibt kein zurückgehaltenes Wissen und keinen Aufbaukurs, in dem dann endlich der entscheidende Teil kommt. Du bekommst, was er hat.

Sein Ziel ist absichtlich unbescheiden: Du sollst im Umgang mit diesen Werkzeugen mindestens so gut werden wie er. Nicht seine Sprache übernehmen, nicht seine Gesten, nicht seine manchmal flapsige Art, die er bewusst einsetzt, um schweren Dingen den Ernst zu nehmen. Die gehört zu ihm, du bringst deine eigene mit. Handwerklich aber sollst du an den Punkt kommen, an dem du nach einer Sitzung niemanden mehr fragen musst, was du als Nächstes hättest tun sollen.

Symptome sind Blüten. Blüten abreißen kann jeder. Wir gehen an die Wurzel. Die Frage unter jeder Sitzung: Warum tut ein Mensch etwas, das ihm schadet, obwohl er es besser weiß?
Der Teil, den er nicht veröffentlichen wollte

Als Veranstalter hingeflogen, als Teilnehmer zurückgekommen

Im März war er auf einem Retreat von Dr. Petra Frese, um den Raum zu halten: Logistik, Organisation, sonst nichts. Kurz vor Beginn hat Petra ihn angeschaut und gesagt, der Welpenschutz sei jetzt vorbei. Das war keine Frage.

Er hat an diesem Wochenende verstanden, wie lange er eine Maske getragen hat. Immer der Starke, immer gut drauf, immer die Sonne, die alle von ihm erwarten. Und dann hat er vor der Gruppe geweint, vor Menschen, die ihn aus seiner eigenen Ausbildung kennen.

Nichts von dem ist passiert, wovor er sich all die Jahre geschützt hatte. Er erzählt das öffentlich aus einem Grund: Er bringt Menschen bei, mit dem zu arbeiten, was andere versteckt halten. Das hinter einer Maske zu tun wäre unehrlich.

Das Retreat, von dem er spricht →

Heute

Carlsbad und Hamburg

Stin pendelt zurzeit zwischen Carlsbad in Kalifornien und Hamburg, der endgültige Umzug in die USA ist für den Sommer 2027 geplant. Wisdom Heroes ist die amerikanische Heimat der Schule, die er in Deutschland aufgebaut hat.

Das hat eine gewisse Symmetrie. Er hat Hypnose von einem Amerikaner gelernt und das Simpson Protocol von einer Kanadierin. Jetzt unterrichtet er beides zurück auf dieser Seite des Atlantiks, mit allem, was die deutsche Schule im letzten Jahrzehnt herausgefunden hat.

Stin-Niels Musche in Carlsbad, Kalifornien
Carlsbad, Kalifornien.